Ich sehe
Dich

ICH sehe Dich
Ich SEHE Dich
Ich sehe DICH


Jörg - Rainer Knipp

Aufzeichnungen einer Reise zum eigenen Selbst

Von Mitte bis Ende September 2013 habe ich den Teil "Vorbereitung" geschrieben, oder genauer, er hat sich von selbst durch mich geschrieben. Irgendetwas hat mich dazu gedrängt, den Text zu schreiben und ihn auf einer Homepage mit dem Namen "Ich sehe Dich" zu veröffentlichen. Warum ich den Text geschrieben habe und welches Ziel mit dieser Homepage verbunden ist, war mir zu jenem Zeitpunkt in keinster Weise bewusst.

Beginn dieser Internetseite: Mitte Oktober 2013

0. Anleitung

Diese Seite besteht aus 2 Teilen: dem nächsten Kapitel, der Vorbereitung, und der eigentlichen Reise.
Der Vorbereitungstext ist rational. Dieser kann mit dem Verstand erfasst werden. Über diesen Text könnte diskutiert werden. Hierzu kann es verschiedene Meinungen geben.
Der Teil über die Reise beschreibt meine persönlichen Wahrnehmungen. Dieser Teil beschreibt, was ich hauptsächlich innerlich auf der Reise erlebt habe. Der Teil ist subjektiv. Er ist letztendlich nicht zu verstehen. Du kannst den Text nicht wirklich verstehen, wenn Du die Reise nicht selbst gemacht und erlebt hast. Bei diesem Text geht es um die Wirkung, die dieser Text in Dir erzeugt. Lese den Text, lasse ihn in Dir wirken und warte ab, was geschieht. Versuche erst gar nicht, ihn zu verstehen. Du kannst ihn nur empfinden, nicht verstehen.


1. Vorbereitung

Eine Suche nach dem Satz "Man sieht nur mit dem Herzen gut" (aus "Der kleine Prinz") ergibt bei Google 180.000 Treffer! Der Satz scheint also eine große Bedeutung zu haben. Er scheint die Menschen tief zu berühren und ein tiefe Sehnsucht zu wecken.

Aber wonach?

Was löst der Satz "Man sieht nur mit dem Herzen gut" in Dir aus? Wo spürst Du diesen Satz in Deinem Körper? Was spürst Du dort? Wie fühlt es sich an? Wenn Du magst, lasse Dich eine Zeit lang darauf ein ...

Ich glaube, die Sehnsucht besteht darin, von anderen Menschen mit dem Herzen gesehen zu werden. Und mit dem Herzen gesehen zu werden bedeutet, mit und durch Liebe gesehen zu werden. Wahre Liebe bewertet Dich nicht. Wahre Liebe stellt keine Erwartungen an Dich. Du wirst so angenommen, wie Du "wirklich" bist, jenseits aller Masken und Rollen, die Du "spielst".

Dies ist möglicherweise auch der Grund, warum kleine Kinder und Tiere (z. B. Hunde) ein angenehmes, entspanntes Gefühl in uns auslösen. Kleine Kinder sehen uns mit dem Herzen an und für uns ist es leicht, kleine Kinder mit unserem Herzen anzusehen. Dadurch entsteht eine Beziehung, die durch Lebensfreude geprägt ist.

Im Umgang mit spielenden Kindern oder Tieren kann ich mich ganz meiner natürlichen Lebensfreude öffnen, jenseits des Verstandes

Sich "mit dem Herzen" ansehen zu lassen, zuzulassen, dass ein Anderer mich mit dem Herzen ansieht, bedeutet, dass ich mich öffne und mich verletzlich mache. Einem Kind gegenüber ist das leicht, weil man von einem kleinen Kind nichts befürchtet.

Indem ich mich einem Anderen gegenüber öffne und verletzlich mache, öffne ich mich auch mir selbst gegenüber.
Ich komme in Kontakt mit mir.
Ich komme in Kontakt mit meinem "wahren Ich", mit dem unveränderlichen (göttlichen?) Kern in mir.
Ich komme in Kontakt mit dem Teil, aus dem heraus ich als Kind gelebt habe.

Der Kontakt zu diesem Teil ist auf dem Weg zum Erwachsenen mehr und mehr verloren gegangen. Unbewusst erinnere ich mich aber an diesen Teil und weiß, wie es war, als ich noch aus diesem Teil (und damit aus der Liebe) heraus lebte. Dadurch entsteht eine Sehnsucht, wieder aus diesem Teil heraus zu leben. Es besteht der Wunsch, als erwachsener Mensch wieder den kindlichen und unbekümmerten Teil zu spüren und nicht vom rationalen Verstand heraus zu agieren.

Diese Sehnsucht wird für mich in der biblischen Geschichte vom verlorenen Sohn beschrieben. (Lukas, Kap. 15, Vers 11ff.).
Für mich bedeutet das Gleichnis, dass man vom Kind (auf dem Hof des Vaters) zum Erwachsenen wird (in ein fernes Land zieht). Dabei gibt man seine Lebensfreude, Unbekümmertheit, natürliche Neugier und andere Eigenschaften eines Kindes auf (das Erbteil wird verprasst). Irgendwann spürt man, dass einem etwas fehlt (Hunger). Man entwickelt eine Sehnsucht nach dem, was man früher als Kind hatte. Der Hunger wird aber nicht gestillt. Schließlich kehrt man um, und wird wieder Kind.

Dieses wird für mich im Satz "Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen." (Matthäus, 18, 3) ausgedrückt. Die Aufgabe besteht meiner Meinung nach darin, als Erwachsener wieder kindliche Fähigkeiten und Eigenschaften zu entwickeln. Oder anders ausgedrückt: die logische linke Hirnhälfte (Erwachsener) mit der intuitiven rechten Hirnhälfte (Kind) zu verbinden.

Ein Kind ist unbekümmert, neugierig, offen und hält sich nicht an Regeln, weil es keine Regeln (Konventionen) kennt. Es schafft sich ständig eigene neue Regeln. Es geht immer nur um das eigene Wohlbefinden und das Ausleben der eigenen Emotionen.

Im Text von Picasso "Ich suche nicht - ich finde" kommt für mich auch der kindliche Ansatz zum Ausdruck:

Ich suche nicht - ich finde.
Suchen, das ist Ausgehen von alten Beständen
und das Finden-Wollen von bereits Bekanntem.
Finden, das ist das völlig Neue.

Alle Wege sind offen, und was gefunden wird, ist unbekannt.
Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer.

Die Ungewißheit solcher Wagnisse können eigentlich nur jene auf sich nehmen,
die im Ungeborgenen sich geborgen wissen,
die in der Ungewißheit, der Führerlosigkeit geführt werden,
die sich vom Ziel ziehen lassen
und nicht selbst das Ziel bestimmen.

Die Zeitschrift Oya hat in der Ausgabe 21 Lebensfreude und Lachen als Thema. In vielen Beiträgen wird der Ansatz "als Erwachsener wieder Kind werden" dargestellt. Das Heft ist vollständig online vorhanden: www.oya-online.de/article/issue/21-2013.html

Wenn man die Welt wie mit den Augen eines Kindes, d.h. mit dem Herzen sieht und von der Welt wie mit den Augen eines Kindes gesehen wird, kann sich der Stress, der mit dem Erwachsen - Sein verbunden ist, lösen und ein Heilungsprozess auf allen Ebenen wird möglich.

Siehst Du Dich?


15.11.13
2. Erkenntnis: Ziel des Projekts

Bei dem Projekt "Ich sehe Dich" geht es (vermutlich) darum, die Größe / Großartigkeit im Anderen zu sehen. Und das kann man nur dann sehen, wenn man die eigene Größe / Großartigkeit sieht und erkennt.
Es geht also nicht um besser oder schlechter, sondern darum, dass alle eine gleiche "Größe" haben, die doch wieder bei jedem anders ist. Und das ist das Besondere an den Menschen. Oder wie es in dem Film "alphabeth" (alphabet-film.com) heißt: Alle Kinder sind hochbegabt.
Ich glaube, dass es zumindest ein Teil meiner Lebensaufgabe ist, oder sein wird, die Fähigkeit, die wahre Größe im Anderen sehen zu können, zu vermitteln. Und dadurch Anderen die Möglichkeit zu geben, ihre eigene Größe wahrzunehmen. Dadurch geschieht Heilung auf allen Ebenen.

Behandle die Menschen so, als wären sie, was sie sein sollten,
und Du hilfst ihnen zu werden, was sie sein können.
Goethe

Das ist die Essenz der Achtsamkeit
- das hervorzuholen, was bereits ist -
anstatt sich vorzustellen,
dass wir von irgend einer äußeren Quelle
gefüllt werden müssen, um ganz zu sein.
www.achtsamkeit.info/swr-achtsamkeit.pdf

Man sieht oft etwas hundert Mal, tausend Mal,
ehe man es zum allerersten Mal wirklich sieht.
Christian Morgenstern


06.12.13 (Nikolaus)
3. Die Reise beginnt

Rückblickend begann die Reise zu meinem Selbst am 28. November, dem Geburtstag meiner Mutter, die im Frühjahr diesen Jahres verstorben ist. An diesem Tag bin ich mit einem Menschen in Kontakt gekommen, der mich auf dieser Reise begleitet und den ich auf dessen Reise begleite. Ursprünglich hatte ich die Annahme, dass ich der Reisebegleiter sei. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass wir uns beide begleiten.

Heute morgen, kurz nach dem Aufwachen, durfte ich zum ersten Mal bewusst den Kern eines anderen Menschen wahrnehmen und mich damit verbinden. Zumindest habe ich es so empfunden. Es war die reine Dankbarkeit, die reine Liebe. Sonst nichts. Die Wahrnehmung hat mich tief bewegt und berührt.
Vielleicht ist es eine Ahnung vom göttlichen Kern.
Dieser Teil befand sich in der dunkelsten Ecke der anderen Person. Er war sehr versteckt und schwer zugänglich.
Es war emotional sehr bewegend für mich, diese reine Energie zu spüren und wahrzunehmen. Auch das Lösen und Verabschieden von dieser Energie war sehr emotional. Vermutlich kam die hohe Intensität auch dadurch zustande, dass ich mich zumindest indirekt auch mit meinem eigenen inneren Kern verbunden habe und verbunden gefühlt habe. Vermutlich habe ich die Dankbarkeit und Liebe, die in mir selbst ist, gespürt.
 

18.12.13
4. Zwischenstation

Die Reise dauert nun knapp 3 Wochen an und ich nutze die aktuell ruhige Phase dafür, einen Zwischenbericht zu schreiben.
 
Mein Eindruck ist, dass sich jedes Zeitgefühl und sogar meine Identität auflöst. Ich habe jegliches Gefühl für die Dauer der Reise und einzelnen Stationen verloren. Dinge vom Anfang sind absolut gegenwärtig und Ereignisse, die nur kurz zurückliegen, scheinen eine Ewigkeit her zu sein.
 
Auf dieser Reise weiß ich nicht mehr, wie ich heiße, wie ich mich im Austausch mit der anderen Person selbst nennen soll. Beispiele sind Jörg, Jörg- Rainer, nur Rainer, Begleiter, Reisebegleiter, Seelenbegleiter und noch andere mehr. Alles vermischt sich, ist nicht mehr trennbar. Meine Identität löst sich von meinem Namen und meiner Funktion. Es bleibt das Ich. Das gleiche gilt für die Begleitperson. Auch hier löst sich Name und Funktion auf, es bleibt das Du.
 
Der bisherige Teil der Reise ist für mich erfüllt durch eine extreme Intensität an Erfahrungen, Gefühlen und Empfindungen. Kaum dachte ich, dass es jetzt bereits die höchste Intensität erreicht hätte, wurde es im nächsten Augenblick noch mehr, noch intensiver. In diesem kurzen Zeitraum gab es Phasen, in denen es mich innerlich fast zerrissen hat vor unbeschreiblichen Glücksgefühlen, Gefühl der Liebe und Dankbarkeit, aber auch Abschnitte in denen alte tiefe Wunden wieder aufgerissen wurden. Und es gab Phasen, in denen ich die Reise beenden wollte oder dachte: ist das jetzt wirklich echt, ist es eine Konstruktion, eine Projektion vom Ego? Was passiert hier gerade? Und immer wieder die Frage: wer schreibt eigentlich hier die Texte?
 
Ich empfinde die bisherige Reise wie eine Fahrt auf einem Fluss: es gab ruhige Stellen im Fluss und es gab Stromschnellen, durch die das Schiff hin und her geschaukelt wurde. Nach der heftigsten Strecke, bei der ich "aus der Bahn" geworfen wurde,habe ich mich hinterher, als das Schiff wieder in ruhigerem Wasser schwamm, deutlich befreit gefühlt, so als ob ich mich durch die Seekrankheit übergeben hätte und etwas, dass mich bisher immer belastet hatte, losgeworden bin. Es war einfach nur das entspannte Gefühl in mir.
 
Ich spüre, dass die Intensität der Texte auf dieser Seite sehr gering ist. In meiner Wahrnehmung sind es 7%. Die Texte der Mails, die ich auf der Reise schreibe, haben für mich im Gegensatz dazu eine Intensität von inzwischen 85%. Die Texte hier auf dieser Seite sind also bisher mehr vom Verstand geschrieben.
 

Erkenntnis #1: was wahre Liebe ist

Wie ich bereits erwähnt habe, schreiben sich einige Texte in den Mails, die wir austauschen, wie von selbst. Oft genug bin ich erstaunt, was ich da eigentlich geschrieben habe. Dabei ist mir auch folgender Teil aufgefallen:

wahre Liebe ist radikal,
wahre Liebe ist wie ein scharfes Schwert

Als ich das gelesen habe, habe ich mich fast erschreckt: das steht ähnlich in der Bibel. Jesus sagt sinngemäß: "ich bringe nicht den Frieden, sondern das Schwert". Ich hatte es bisher nicht verstanden und jetzt schreibe ich es selbst.

Und was radikal bedeuten kann, zeigte sich kurze Zeit später. In sogenannten (oder auch selbst ernannten) "spirituellen" Kreisen hat sich eine eigene Sprache entwickelt. Allerdings habe ich den Eindruck, dass das Gesagte nicht wirklich auch gemeint ist, nämlich mit allen Konsequenzen. Es ist dahergeredet, weil es schön klingt und schön unverbindlich ist. Das ist für mich aber kein Zeichen von wahrer Liebe. Für mich ist das "weichgespültes esoterisches Geblubber" (was früher noch esoterisch war ist heute schon spirituell - auch ein Beispiel für Geblubber).

Der radikale Test für die eigene Liebe und wie ernst es wirklich gemeint ist, steht auch in der Bibel: "liebe Deine Feinde". Bestehst Du diesen Test wirklich? Wenn nicht, ist alles nur Geblubber. Das bedeutet für mich radikal, das bedeutet das scharfe Schwert der wahren Liebe. Entweder oder (die Schneide eines scharfen Schwertes ist sehr schmal!). Wahre Liebe ist nicht "nett", wahre Liebe ist nicht "lieb". Jesus, der als Verkörperung der Liebe gilt, war nicht "lieb und nett", er war radikal, er war ein Revolutionär.
Es ist in Ordnung, die wahre Liebe noch nicht vollständig leben zu können (kann ich auch nicht). Aber dann sollte man auch dazu stehen. Solange ich nicht wirklich und ehrlich weiß, wo ich jetzt stehe, komme ich nirgendwo an.


28.12.13 (Weihnachten)
Die Reise geht weiter: die Woge

Ich habe geschrieben, dass ich das Gefühl habe, auf einem Schiff zu fahren. Von dort konnte ich sehen, was vor mir liegt, was noch kommt und wohin die Reise wohl führt. In der letzten Nacht und heute morgen hat sich das schlagartig geändert. Ich wurde von einer Woge, einer großen Welle von Bord gespült. Nichts ist mehr, wie es war. Die Sicherheit, der feste Boden unter den Füßen, ist nicht mehr da.
Nicht nur die Zeit und die Identitäten haben sich aufgelöst, jetzt haben sich schlagartig auch alle anderen Formen der Sicherheit aufgelöst. Es ist nichts mehr da. Ich merke, wie es mir schwer fällt, genau zu beschreiben, was das bedeutet - Leben ohne festen Boden unter den Füßen. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

Ich bin im Wasser. Ich sehe einzelne Bretter neben mir, aber die geben mir keinen Halt. Sie sind glatt, glitschig und schmierig. Mit jedem Versuch, mich daran festzuhalten, drücke ich mich selbst unter Wasser. Das Schiff sehe ich rechts von mir im Dunst, Es hat Schlagseite. Auch hier scheitert jeder Versuch, zum Schiff zu schwimmen. Ich komme keinen Millimeter weiter, eine unsichtbare Strömung hält mich zurück.
Macht es einen Sinn zu strampeln? Mitten auf dem Meer, ohne Land, ohne eine Möglichkeit, irgendwo Halt zu finden? Nein, es macht einfach keinen Sinn mehr.

Vom Schiff aus hatte ich dicke graue Wolken vor mir gesehen. Die sind immer noch da - auf der rechten Seite von mir. Auf der linken Seite sehe ich den Himmel voll mit weißen Wolken,. Es ist kein blauer Himmel, der Himmel ist einfach weiß. Und die Grenze ist genau über mir - links der weiße Himmel, rechts die dicken grauen Wolken. Und vor mir nur Wasser. Es sind Kräuselwellen, es ist ruhig.

Ich schwimme Richtung Horizont. Ich spüre die Strömung im Wasser. Ich lasse mich von der Strömung tragen. Es fühlt sich an, als wenn ich auf einem starken Arm liege und vom Arm getragen werde. Ich brauche nichts machen. Ich lasse mich fallen und lasse mich tragen. Ich lasse mich treiben. Kämpfen macht keinen Sinn mehr.

Der Kampf ist vorbei.


02.01.14
Erkenntnis #2: was wahre Freiheit ist

Sicherheit ist ein Gefängnis
keine Sicherheit ist wahre Freiheit

Was ist Sicherheit
kannst Du es benennen ist es Sicherheit

Was ist Freiheit
kannst Du es nicht benennen ist es Freiheit


11.01.14
Schweben

Seit ein paar Tagen bin ich nicht mehr im Wasser sondern in der Luft. Schlagartig.

Hier gibt es noch weniger Sicherheiten als im Wasser und erst recht als auf einem Schiff.
Hier ist die Freiheit größer als im Wasser und erst recht als auf einem Schiff.

Ich habe das Gefühl zu schweben. Bodenlos. Ansonsten geschieht nichts. Einfach nichts.

Immer wieder taucht die Frage auf: War es das?
Die Antwort lautet: Nein!
Wann und wie geht es weiter? Ich weiß es nicht. Ich habe keine Ahnung ...


27.01.2014
Der Strudel

Seit gestern, 26.01., Abend bin ich in einem Strudel. Ob in der Luft oder im Wasser weiß ich nicht. In diesem Strudel wird alles, was in mir ist, alles was mich ausmacht, durcheinander gewirbelt. Nichts bleibt wo es war. Alles wird in Frage gestellt. Es wird gründlich aufgeräumt. Und ein gründliches Aufräumen ist anstrengend, nicht nur seelisch sondern auch körperlich. Mir ist schlecht, übel, und ich zittere am ganzen Körper - innerlich aber auch real, z. B. die Beine. Dieser Strudel erschöpft mich.

Die erste Auswirkung, die ich ganz konkret wahrnehme ist, dass alles, was auf der Reise vor dem Strudel geschah, für mich nicht mehr relevant ist, es interessiert mich im Moment nicht mehr, es existiert praktisch nicht mehr. Auch wenn es erst einen Tag her ist. Mails, die sich auf diesen Zeitraum befassen (also alle Mails) lese ich nicht mehr. Ich kann mit ihnen nichts mehr anfangen. Ich verstehe sie nicht mehr.

Kurz vor dem Übergang in den Strudel hat sogar die Technik gestreikt: Mails, die ich verschickt habe, kamen als unzustellbar wieder zurück. Erst beim 2. Versuch konnten sie zugestellt werden.

Ich zweifle an mir, an dem, was ich bisher als meine Fähigkeiten angesehen hatte. Ich stelle mir die Frage: habe ich mich so sehr geirrt? Waren meine Wahrnehmungen nur Täuschungen? Haben sie mich getäuscht, damit ich weiter reise und nicht abbreche? Hätte ich die Reise überhaupt angetreten, wenn ich von diesem Strudel und den Empfindungen darin gewusst oder diese nur geahnt hätte? Ich glaube nicht, nicht mit einer doch letztendlich positiven Grundhaltung.

Es war eine lange Pause, in der nicht wirklich viel passierte, das ich wahrnehmen konnte. Ich habe nur gespürt, dass irgendetwas vorbereitet wird, tief drinnen. Den Strudel habe ich überhaupt erst morgens gesehen.
Ein Satz, der mir in dieser Pause immer wieder kam war:

gehe aus dem Weg
gehe in den Weg.

Ich kann nicht mehr denken. Ich nehme nichts mehr wahr. Ich kann mich nur dem Strudel hingeben.

Es ist ein heiliger Strudel ...
Die Reise neigt sich dem Ende ... oder fängt vielleicht erst richtig an.


09.02.2014
Tagebuch

Nach den 2 Wochen bin ich immer noch im Strudel. Die Qualität ändert sich ab und zu - mal rechts rum, mal links rum, mal nach oben, mal nach unten. Es ist nicht ruhiger geworden, nur anders.

Der Email - Austausch wird immer schwieriger. Es kommt immer mehr zu Missverständnissen. Jeder schreibt seine Empfindungen, diese werden vom anderen interpretiert. Die Interpretation wird dann wieder neu interpretiert und so weiter. Es wird immer deutlicher, dass die Interpretation nicht viel mit dem zu tun hat, dass ursprünglich beabsichtigt war - wenn überhaupt irgendetwas beabsichtigt war. Es ist kaum noch möglich, sich verständlich zu machen. Ist auch das nur eine Interpretation dessen, was gerade stattfindet?

Welchen Sinn macht es, weiterhin Mails zu schreiben, wenn man sich nicht mehr verständlich machen kann? Wenn das, was jemand schreibt, ziemlich sicher im anderen einen schlechten Zustand erzeugt? Was kann ich dann noch dem anderen schreiben? Sollte ich meine Gedanken als Onlinetagebuch schreiben und nicht mehr an eine Person direkt?

Geht es in dem ganzen Austausch gar nicht um die andere Person? Geht es eigentlich nur um mich selbst? Schreibe ich die Mails eigentlich an mich selbst, wie in einem Tagebuch? Bietet mir die andere Person die Möglichkeit, mich selbst besser kennenzulernen? Ist das unsere Aufgabe füreinander auf dieser Reise? Jedes Gefühl, jede Empfindung, die ich habe, habe ja ich, egal wodurch sie ausgelöst wurde. Und dadurch habe ich die Möglichkeit, mich immer wieder neu und genauer kennenzulernen.

Vor vielen Jahren habe ich mal einen Satz gehört, der mich beeindruckt hat und der mir seit einiger Zeit immer wieder in den Sinn kommt:
"Man muss einen Menschen schon verdammt lieben, um ihn wie den letzten Dreck behandeln zu können."
Ob er in diesem Zusammenhang "wichtig" ist, weiß ich nicht. Ich weiß nicht mehr viel.

Es wird aufgeräumt - gründlich. Das Schwert wird geschärft. Alle vermeindlichen Sicherheiten werden aktiviert und aufgelöst - keine Sicherheit ist wahre Freiheit. Da geht wohl die Reise hin. Ist auch das nur eine vermeintliche Sicherheit? Eine Fehlinterpretation? Es gibt keine Sicherheiten mehr.

Picasso:

Alle Wege sind offen, und was gefunden wird, ist unbekannt.
Es ist ein Wagnis, ein heiliges Abenteuer.

Die Ungewißheit solcher Wagnisse können eigentlich nur jene auf sich nehmen,
die im Ungeborgenen sich geborgen wissen,
die in der Ungewißheit, der Führerlosigkeit geführt werden,
die sich vom Ziel ziehen lassen
und nicht selbst das Ziel bestimmen.

Es ist unmöglich, irgendein Ziel zu erkennen. Wo ist das Ziel, wenn man sich in einem Strudel befindet? Wohin geht dann die Reise? Ich kann mich nur vom Ziel ziehen lassen, ohne das Ziel selbst zu kennen.

Ich kann nur vertrauen - demütig vertrauen.
Mich dem hingeben, was gerade geschieht - die Wellen reiten.


17.03.2014

Ich darf sein


Anfang Januar 2015
Die Reise geht weiter

Durch einen erneuten "zufälligen" E-Mail - Kontakt bin ich in einen ähnlichen Zustand verstzt worden, wie vor zienlich genau 1 Jahr. Die intensive Phase in Bezug auf den persönlichen Austausch dauerte diesmal jedoch nur wenige Tage.

Die Fortsetzung fand die Reise von Mitte Januar bis Ende Februar, als ich zum ersten Mal einen 3-teiligen Workshop mit dem Titel "Reise zu mir selbst" durchgeführt habe. Körperlich zu spüren, was der Satz "man sieht nur mit dem Herzen gut" wirklich bedeutet, war für alle erfahrbar. Die Wirkung entsprach genau dem, was ich auf der Seite "Heilung durch Nähe" beschreibe. Zum Teil wurde ich unabsichtlich wörtlich zitiert.
Die intensive Wirkung auf mich hält noch immer an.

In dem Workshop wurden viele Themen angesprochen und körperlich erfahren (!), die ich bereits früher auf dieser Seite angedeutet habe:


12.03.2014

Heute habe ich diese Bild im Internet gefunden, es hat mich praktisch wie ein Blitz getroffen:


Falls Du die ursprüngliche Quelle / Maler weißt, bitte Info an mich.

Für mich ist in diesem Bild alles enthalten, dass mit der "Reise zu mir selbst" zu tun hat. In diesem Bild wird für mich auch die Verbindung der "Reise" und "Heilung durch Nähe" deutlich.


Juni 2015

Am 31. Mai 2015 fiel vermutlich der Startschuss für die nächste Reise. Einige Tage später nahm das "Schiff" Fahrt auf, wobei zunächst noch nicht sicher war, wie lange die Fahrt dauert.

Die erste konkrete Erkenntnis aus diesem ersten Teil ist für mich:

Manchmal ist das Beste, was Du tun kannst,
alles falsch zu machen.

Sonst gäbe es diese Reise nicht.

Inzwischen ist klar, dass es eine intensive Reise ist und wohl auch noch wird. Allerdings bin ich mir diesmal nicht sicher, wieviele Personen an der Reise beteiligt sind. Neben einer Hauptperson könnten noch eine oder sogar mehrere Personen beteiligt sein.


28.06.2015

Geht die Reise weiter? Hört sie abrupt auf? Vor, zurück, rechts, links? Plötzlich ist vollkommen unklar, wie und wenn ja wohin die Reise weitergeht.


29./30.06.2015

(Neu-)Orientierung

Bin ich über das Ziel hinaus geschossen? Habe ich eine Abzweigung verpasst, etwas übersehen? Ich scheine im Schlamm festzustecken. Es geht jetzt um Orientierung: wohin will ich eigentlich? Was ist das Ziel dieser Reise, außer einfach nur so zu reisen?

Das Seltsame: diese Unterbrechung, das Innehalten, die Neu- (oder überhaupt) Orientierung gibt es bei mehreren Kontakten (Reisebegleitern?) gleichzeitig und unabhängig voneinander.


01.07.2015

Wo bin ich und wo will ich hin? Was ist mir wichtig, z.B. in Bezug auf meine Beziehungen, zu mir und zu Anderen? Ein Reiseziel könnte sein: Entwicklung vom oberflächlichen zum (selbst-)bewussten Handeln.

neue Stabilität

Das "Gefährt" hat sich verändert: von einem Kleinwagen, der hochtourig fuhr und Probleme in den Kurven hatte zu einem schwereren Wagen mit kräftigem Motor, der nun wesentlich ruhiger fährt. Oder ein anderes Bild: von einer "Nussschale", die jede kleine Welle mitgenommen hat und anfing zu schaukeln hin zu einem Schiff, das stabil im Wasser liegt und dem die normalen Wellen nichts ausmacht.
Es ist jetzt stabiler, sicherer und ruhiger. Dennoch kann es durch größere Wellen stark ins Schwanken geraten.


Juli 2015

Technik

Die Reise scheint sich auf Technik auszuwirken.
Ein Bereich ist das Auto (ich hatte ja einen Wagen als Bild verwendet): so musste sowohl mein Auto als auch das der Reisebegleitung nahezu zeitgleich zweimal in die Werkstatt und die jeweiligen Reparaturkosten waren ebenfalls fast identisch.
Ein anderer Bereich sind die E-Mails: auf meinem Handy konnte ich bisher noch keine Mails der Reisebegleitung lesen. Ansonsten wurden Mails einfach vollständig gelöscht oder Mails konnten nicht verschickt werden.


17.07.2015

Angedockt

Seit heute gibt es eine feste Verbindung zwischen mir und der Begleitung. Es fühlt sich an, als wären wir "angedockt": der emotionale Zustand des Anderen ist unmittelbar zu spüren. Die Wahrnehmung ist automatisch: jede stärkere Veränderung in Bezug auf den Kontakt wird direkt vom Anderen wahrgenommen.


25./26.07.2015

Pause

Seit diesem Wochenende ist etwas anders. Die ständige Verbundenheit ist auf beiden Seiten nicht mehr spürbar, zumindest nicht mehr deutlich. Vielleicht noch unterschwellig und ansatzweise. War es das schon oder geht es weiter? Gibt es eine Verbundenheit im nicht-verbundensein? Für mich fühlt es sich an wie eine Verpuppungsphase oder der Wechsel vom Strohfeuer zur stabilen, anhaltenden Flamme.

31.07.2015

Die Pausenphase schien schon dem Ende zuzugehen, da kommt es zu einem Todesfall, in dessen Folge ich mich wieder neu orientiere. Die Pause ist auf meiner Seite wieder sehr präsent.


Anfang August 2015

Nah und doch fern

Für mich ist es sehr leicht, über die Ferne mit einer beliebigen Person eine intensive Nähe zu empfinden. Im direkten persönlichen Kontakt mit derselben Person stellt sich die bekannte Nähe dann allerdings nicht automatisch ein. Das Gefühl der Nähe entsteht dann erst nach einem bewussten Akt. Im direkten Kontakt gibt es plötzlich jede Menge unbewusste Schubladen und sonstige Gedanken, die das Gefühl der Nähe blockieren. Erst wenn ich diese unbewussten Empfindungen ausblende entsteht wieder die Nähe. Mir ist diese Eigenschaft von mir schon vor zig Jahren schmerzlich aufgefallen. Nun geht es vielleicht darum, die Nähe auch im direkten Kontakt aufrecht erhalten zu können, so dass diese Wahrnehmung mehr und mehr natürlich wird.


25. - 27.08.2015

Absturz

In der Nacht zum 25.8. habe ich kaum geschlafen. Ich habe mich wie mit einem fiebrigen grippalen Infekt gefühlt, ohne allerdings krank zu sein. Gedanken und Bilder waren wie im Fieberwahn. Am nächsten Tag hatte ich Kopf- und Gliederschmerzen, habe fast den ganzen Tag gelegen und versucht zu schlafen und wollte mich nur noch von allen und aus allem zurückziehen. Am 27.8. wurde es dann im Laufe des Tages besser. In dieser Zeit gab es auch keinen Kontakt zur Reisebegleitung.
Was ist nun das Ungewöhnliche an diesem "Vorfall", dass ich es hier erwähne? Der Reisebegleitung erging es exakt genauso: nächtlicher fiebriger grippaler Infekt, allgemeines Unwohlsein, Rückzug, usw.! Allerdings hat die Normalisierung etwas länger gedauert.
Danach hat sich mein körperlicher Zustand zwar wieder erholt, innerlich bin ich aber noch eher bei mir als im Außen.


20. Juni 2016

Ende, Anfang und erster Stop

Nach langer Zeit habe ich wieder den Impuls, den Text zu erweitern, die Geschichte weiter zu erzählen.
Nach meinem Eindruck waren die intensiven Eindrücke und Veränderungen mehr bei der Reisebegleitung und weniger bei mir, daher hatte ich keinen neuen Text veröffentlicht.

Ende Mai ging die gemeinsame Reise nach 1 Jahr zu Ende. Ich hatte das Ende nicht geahnt. In dieser Endgültigkeit hat es mich vollkommen überrascht.
Am 1. Juni 2016, genau 1 Jahr nach Beginn der letzten Reise, beginnt für mich bereits die nächste Reise. Sie beginnt schlagartig und heftig. Sie wirft mich aus der Bahn. Einige Tage geht es über eine emotionale Holperstrecke, bis ich die nächste Straße erreiche. Hier geht es plötzlich mit mehr Schwung weiter. Es ist, als wenn ich von einer unsichtbaren Kraft geschoben und beschleunigt werde. Ich fahre nicht mehr selber, ich werde gefahren. Das Tempo wird immer schneller und die Intensität nimmt mehr und mehr zu.

Nach genau 2 Wochen kommt es plötzlich zu einem Knall. Alles steht still und ich höre keinen Ton mehr. War da jemals etwas? Bin ich je gefahren? Ich spüre plötzlich nichts mehr. Es dauert etwas, bis ich das Ausmaß realisiere.
Ich hatte vorher eine Weggabelung gesehen: zur linken Seite ist die Fahrt zu Ende und ich steige aus, weil es mir zu schnell und irgendwie plötzlich anstrengend wird. Zur rechten Seite geht es weiter und die Intensität steigt weiter an. Ich sehe alles aus einem Zwischenraum, an einer Schwelle? Aber an welcher genau? Ich bin mit einer Schicht in mir in Kontakt gekommen, die ich kaum kenne. Was geschieht, wenn ich dorthin, nach rechts weiter gehe?

Schon mit Beginn der Reise hatte ich die Ahnung, dass diese Reise eine Steigerung der anderen Reisen ist. Die Intensität wird weiter zunehmen und die Herausforderungen werden größer. Es geht wieder mehr um mich und es wird nicht nur angenehm. Das wusste ich und ich habe mich bewusst darauf eingelassen. Und ich wusste, dass es etwas mit meiner Heilertätigkeit (jrknipp.de) zu tun hat.
Aber was hat den plötzlichen Stop verursacht? Die Erkenntnis ist nicht gerade angenehm: Angst vor Nähe. Es ist für mich leicht, eine tiefe Nähe zu anderen Personen aufzubauen. Dann ist es eine Art von Nähe, die ich kenne und auch kontrollieren kann. Baut eine andere Person eine tiefe und intensive Nähe zu mir auf, trenne ich die Nähe irgendwann radikal. Warum? Weil ich die Nähe nicht kontrollieren kann? Weil mich die Nähe überwältigt? Dies ist nicht das erste Mal, und es ist mir erst jetzt bewusst geworden, warum ich es mache. Ich hatte immer Ausreden, doch die gibt es jetzt nicht mehr. Bisher habe ich oft die andere Person vorgeschoben - dabei ging es immer um mich. Und wenn das jemand sagte, habe ich es natürlich nicht geglaubt.
Heute bin ich durch einen "Zufall" mit aller Deutlichkeit darauf hingewiesen worden. Dennoch hat die Erkenntnis, dass es um mich geht, noch Stunden gedauert.


26.06.2016

Es geht weiter

Die Qualität hat sich geändert: es ist nicht mehr so überschäumend, es ist ruhiger und gefestigter. Einige Puzzlesteine werden sichtbar.


11.07.2016

Kreisverkehr

Seit ein paar Tagen fahre ich in einem Kreisverkehr. Der Kreisverkehr hat viele Ausfahrten, aber es gibt keine, die ich spontan wähle, also fahre ich weiter im Kreis. Alle Ausfahrten sehen für mich bekannt aus.
Was bringt es, Wege zu fahren, die ich schon kenne? Dann kann ich auch den Weg nehmen, von dem ich gekommen bin und wieder zurückfahren. Ich suche einen anderen Weg, einen neuen Weg, einen Weg, den ich noch nicht gefahren bin. Aber wie finde ich ihn? Er ist noch nicht leicht und deutlich erkennbar. Kein großes Schild weist dort hin. Und je schneller ich im Kreis fahre, um so schlechter finde ich ihn. Er ist irgendwo versteckt, ein Trampelpfad, der auf mich wartet. Es klingt komisch, aber so fühlt es sich an.
Den Weg gibt es schon lange und mit der Zeit ist er mehr und mehr zugewachsen. Nun scheint es an der Zeit, diesen Weg endlich zu gehen und nicht immer einen bekannten Weg zu wählen. Bekannte Wege vermitteln eine gewisse Sicherheit, egal wie holperig, kurvig oder steinig sie auch sein mögen. Es sind immer die gleichen Löcher, Kurven oder Steine. Es mag anstrengend sein und ist doch auch langweilig.

Der neue Weg ist unbekannt und doch gibt es ihn bereits und irgendwie habe ich das Gefühl, den Weg bereits zu kennen - ich muss ihn nur noch gehen.


August 2016

Der Weg

Ich wurde auf den Weg befördert. Alleine wäre ich wohl noch lange im Kreis gefahren. Am Anfang war der Weg auch so, wie ich ihn gesehen hatte, doch schnell gab es nur noch Dickicht und Geäst vor mir. Den Weg konnte ich nicht mehr sehen und bin auch gleich an einer etwas matschigen Stelle ins rutschen gekommen - es ist aber noch einmal gut gegangen. Der Weg erfordert die ganze Aufmerksamkeit: oben schiebe ich das Gestrüpp beiseite und mit den Füßen ertaste ich den Boden. Ich kann kaum weiter sehen, als wo ich gerade bin. Daher weiß ich auch nicht, wie lang der Weg ist und wohin er führt.
Irgendwie habe ich das Gefühl, der Weg ist gut zu mir.

In den letzten Wochen bin ich auch in der äußeren Welt verschiedene schmale Wege gegangen: Wege direkt am Wasser und Wege in 1000m Höhe. Auf allen Wegen war Achtsamkeit und Gegenwärtigkeit wichtig, da die Wege verschiedene Schwierigkeiten hatten: sie waren vollkommen zugewachsen, so dass der Boden nicht zu sehen war. Oft waren die Wege schlammig, matschig und nass. Oder es waren große Baumwurzeln und Steine auf dem Weg. Oder der Weg führte durch einen langen dunklen Tunnel mit z.T. sehr niedriger Decke und hervorstehenden Felsen. Auf 1000m Höhe führten die sehr schmalen Wege oftmals direkt am Abgrund entlang und das teilweise ohne zusätzliche Sicherung.
Mir kommt der Satz von oben "Liebe ist ein scharfes Schwert" wieder in den Sinn. Der gegenwärtige Moment ist sehr schmal und wenn wir ganz im gegenwärtigen Moment sind, sind wir sicher und aufgehoben.


September / Oktober 2016

"Der Pfad des friedvollen Kriegers"

Nachdem ich den vorherigen Text geschrieben hatte, habe ich zum ersten Mal das Buch "Der Pfad des friedvollen Kriegers" von Dan Millman gelesen. Ich habe es in wenigen Tagen "aufgesaugt" und vieles kam mir sehr vertraut vor: es entspricht meinem persönlichen Weltbild und meinen eigenen Erfahrungen. Und viele der Sprüche, Erkenntnisse und (inneren) Bilder, die ich auf meiner "Reise" hatte und auf dieser Seite veröffentlicht habe, finden sich fast wörtlich oder sehr ähnlich auch in dem Buch wieder.
Erst kurz bevor ich das Buch zu Ende gelesen hatte, ist mir aufgefallen, dass es der "Pfad" heißt, also auch einen "Weg" beschreibt. Und der "Pfad" wird ebenfalls als eine Reise bezeichnet.

Ich habe mich sowohl als Dan Millman (Ich - Person, der Schüler) als auch als "Sokrates" (der Lehrer) wahrgenommen und gefühlt. Ich sehe mich gleichermaßen als Lehrer und auch als Schüler. Wenn ich meine "Reise" mit der Reise von Dan Millman vergleiche, dann nehme ich mich gerade irgendwo in Kapitel 7 + 8, kurz vor dem "Durchbruch" wahr.


Ende Juli / Anfang August 2017

100% = 0%
Ende = Anfang

Lange hatte ich keinen Impuls verspürt, die Geschehnisse hier zu veröffentlichen. Nun tut sich wieder etwas.
Gelegentlich fühle ich bei mir nach, wie weit ich bei mir angekommen bin. Ende Juli habe ich den Wert "100%" wahrgenommen. Der Wert blieb auch über mehrere Tage gleich. Es hat sich zunächste seltsam angefühlt, so wie "war es das jetzt?". Nein, es ist ein neuer Anfang. Das Ende der einen Reise ist der Anfang der nächsten Reise.
Auf meine Frage an mich "und was ist jetzt anders?" kam zunächste keine Antwort. Nach und nach fühlte es sich an wie "mehr Klarheit", "Stabilität", "Präsenz" und ähnliches. Und auf die Frage "sind jetzt alle Probleme gelöst?" kam ein klares "nein". Die Probleme oder Themen werden eher klarer und spezifischer / enger. Und auf eine gewisse Art und Weise "extremer". Für mich fühlt sich mein Zustand an wie ein "Tanz auf des Messers Schneide": zwischen euphorisch überschwenglich und zutiefst betrübt. Dazwischen versuche ich die Mitte und Stabilität zu halten.

Was ist in den letzten Monaten geschehen? Einiges.
Weihnachten 2016 hatte ich das Buch "Die Kraft gelebter Gegenwart" von Michael Brown erhalten. Es beschreibt u.a. ein 10-wöchiges Übungsprogramm einer Reise nach innen. Nähere Informationen gibt es auf der Homepage von Michael Brown: thepresenceprocessportal.com/. Durch die Texte im Buch und den Prozess wurde mein Weltbild klarer. In dieser Phase hatte ich meinen absoluten emotionalen Tiefpunkt.
Unmittelbar nach den 10 Wochen("Zufall") hatte ich meinen ersten Vortrag (Thema Heilung) gehalten. Er ist sehr gut angekommen und danach war ich in einem euphorischen Zustand.
Weiterhin habe ich an dem 44-Tage-Programm von Leo Babauta teilgenommen (zenhabits.net/the-44/). Dieses Trainingsprogramm kann ich sehr empfehlen. Auch dieses Training hat mein Weltbild weiter geschärft.


09.08.2017

Die nächste Reise beginnt...

11.08.2017

"nach innen und nach oben"

Michael Brown schreibt in seinem Buch, dass die Reise "nach innen und nach oben" geht. Ich hatte es bisher nicht verstanden. Jetzt erlebe ich es selbst: es geht weiter nach innen und weiter nach oben.

13.08.2017

Was bedeutet der "Tanz auf des Messers Schneide", den ich oben erwähnt habe? Es bedeutet für mich: nicht bewerten. "Euphorisch" ist eine Bewertung, "zutiefst betrübt" ist eine Bewertung. Jede Art von Bewertung bedeutet ein kippen von "des Messers Schneide", ein sich entfernen aus der "Mitte", der Gegenwart, der Präsenz. Und der "Tanz" ist das ständige Gewahrsein von dem, was jetzt gerade ist - ohne Bewertung.


16.08.2017

"rasante Fahrt in die Tiefe"

Rückblickend waren die Tage vor Beginn der Reise wie in einem Fahrstuhl, der in normaler Geschwindigkeit in die Tiefe fuhr. Irgendwann hielt er an und wir konnten auf der Ebene aussteigen und uns umsehen.
Jetzt habe ich das Gefühl, es geht gerade mit Höchstgeschwindigkeit in freiem Fall weiter nach unten ("nach innen"). Ich bin aufgewühlt. Was gerade alles aufgewühlt wird, kann ich noch nicht abschätzen und erkennen.


September 2017

"Ich sehe Dich" - "Ich zeige mich"

Mitte September sitze ich in einer Kirche und lasse den Satz "Ich sehe Dich" auf mich wirken. Es fühlt sich so an, als wenn er von vorne oben, also von außen kommt. Jemand / "Es" sagt zu mir: "Ich sehe Dich". Ich schätze, dass diese Phase etwa eine halbe Stunde angedauert hat, in der ich den Satz immer wieder gehört und wirken gelassen habe. Von mir kamen dann Gedanken wie: "was wird gesehen?", "was darf gesehen werden?", "was zeige ich, damit es gesehen werden kann / darf?" usw. Aus diesen Gedanken kam dann plötzlich der Satz: "Ich zeige mich!". Dieser Satz war unmittelbar mit einem Gefühl der "Öffnung" verbunden. Ich hatte das Gefühl, als wenn ich meine Arme ausbreite und mich öffne, mich zeige. Dieses bedeutet für mich eine radikalte Veränderung meines inneren Zustands. Vielleicht entwickelt sich hieraus eine neue Internetseite mit dem Namen "Ich zeige mich". Dies ist wohl das Thema meiner neuen Reise - mich zu zeigen und zwar ganz bewusst. Seit 25 Jahren bin ich in der Erwachsenenbildung tätig und zeige mich von dieser Seite. Nun geht es wohl darum, auch meine innere Seite (mehr) zu zeigen. Dies habe ich bisher immer recht zögerlich gemacht.

Bereits am nächsten Morgen hat der Satz "gewirkt". Nach der Kirche bin ich zu einem Kloster gefahren (ich habe es "zufällig" entdeckt), in dem ich für ein paar Tage übernachtet habe. Im Gottesdienst am nächsten Morgen wurde ich vom Pater gefragt, ob ich einen Text ("Fürbitte") im Gottesdiesnt vorlesen würde. Dieses habe ich gemacht und mich dadurch "gezeigt".


"sehen" vs. "schauen"

In dem Kloster gab es eine Ausstellung zum Thema Ikonen mit erläuternden Texten. Eine interessante Formulierung war: "Ikonen wollen geschaut werden." Bei Ikonen geht es nicht um das Objekt Ikone, sondern um die Wirkung der Ikone auf den Menschen, auf mich. Wenn ich die Ikone "an-sehe", dann betrachte und anlysiere ich sie als Kunst-Objekt. Wenn ich sie "an-schaue", dann lasse ich sie auf mich wirken, ich schaue mehr in die Tiefe, hinter das Bild der Ikone. Es geht dann nicht mehr darum, ob ich die Ikone z.B. "schön" finde, da durch die Ikone Gott wirkt.

Mir kam dann der Gedanke: "den Menschen schauen". Laut Bibel schuf Gott den Menschen nach seinem Ebenbild, der Mensch ist also Ausdruck Gottes und nicht die Ikone. Und damit ist in jedem Menschen Gott enthalten und Gott wirkt durch jeden Menschen. Der Mensch ist also die wahre Ikone. Und wie die Ikone sollte der Mensch geschaut werden. Also nicht auf die Äußerlichkeiten achten und diese analysieren, sondern das Innere, die Tiefe des Menschen wahrnehmen und wirken lassen. Das schauen der Ikone wird dann zur Übung, um letztendlich den Menschen zu schauen.
"Sehen" geht über den Verstand, "schauen" kommt vom Herzen. Statt "ich sehe dich" müsste es also heißen "ich schaue Dich". Das klingt für mich aber noch recht ungewohnt...


13.03.2018

Ich will das nicht

Ich will das nicht - reicht das nicht? Noch mehr und noch mehr und noch mehr. Wo führt das noch hin? Muss ich mich wirklich zeigen? Vollständig? Alles? Ich will das nicht, das macht Angst - und die will ich nicht. Kaum scheint es ruhiger zu werden, kommt der nächste Schlag. Was kann ich tun? Nichts. Oder doch? Aber was? Jetzt geht es - wohl - um mich. Und - ich will das nicht. Wie oft schreibe ich das noch? Was kommt da noch? Was genau will ich da nicht? Mich mit mir selbst konfrontieren? Konfrontiert werden? Bis ich mich nicht mehr rational zügele? es aus mir heraus bricht? das ich schon mein Leben lang zurückhalte, damit "nichts passiert"? Ich kenne die zerstörerische Kraft - die gilt es zu bändigen oder zu leiten und vertrauen? Was, wenn ich ihr vertraue? sie sein darf? Irgendetwas löst sich da...


14.03.2018

Und weiter geht's

Und wieder falsch, noch ein Schlag - aus anderer Richtung, aber bekannt. Und mein Anteil? Es reicht. Ich will weg, ab- / untertauchen, lange schlafen, irgendwann aufwachen und alles ist wieder gut. Leider funktioniert das Leben wohl nicht so. Es wäre schön in dieser Situation.


19.03.2018

ich habe Angst
ich fühle mich hilflos
wer ist da? wer ist für mich da?
schaffe ich das?
was kommt danach?
was kommt noch alles?
bin ich überfordert?
wen kann ich fragen?
wer hilft mir?
ich bin alleine


April 2018

Dankbarkeit statt Freude

Ich empfinde keine Freude mehr, keine Freude über eine "Verbesserung". Kaum freue ich mich, bin erleichtert, schon kommt das Nächste, der nächste "Schlag". Eine Freude, die mir wieder genommen werden kann, macht keinen Sinn mehr. Daher: Dankbarkeit statt Freude, kein Denken an die Zukunft, nur Heute. Ich bin dankbar für das, was ist, so wie es jetzt ist, egal wie. Keine Pläne für morgen. Nur: wie ist es jetzt? Und was ist jetzt zu tun - keine Freude "über", sondern Dankbarkeit "für".

Wieder ein Tanz auf des Messers Schneide.


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Jörg - Rainer Knipp
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